​© 2017 IN KOGNITO // ingolstadt

  • Facebook Clean
  • Caroline

Den Umständen entsprechend

Aktualisiert: 23. Juli 2019


Was für ein Tag. Gestern im Bus von Dresden zurück nach Hause habe ich bereits versucht, ein paar Worte zum Spiel zusammen zu tragen, doch ich hatte nichts zu sagen. Um mich herum brannten die Diskussionnen: "Warum die Doppelbestrafung?", "War es Abseits?", "Haben wir eine funktionierende Mannschaft?", "Können wir mit diesem Trainer und diesem Kapitän eine Wende herbeiführen?"

Ich hörte mir die Debatten an, hatte aber zu keiner These eine Meinung, denn nach dem Spiel war ich einfach nur leer. Den anderen muss es ähnlich gegangen sein, denn die Gespräche wurden bald von Ballermann-Musik, Goaßmaßen und kleinen Nickerchen abgelöst.


Was war passiert?

Unsere Schanzer gingen mit großen Vorhaben in dieses Spiel. Auch im Bus herrschte diesesmal eine positive Grundeinstellung zum bevorstehenden Match. Wir glaubten an einen Sieg, an das Einläuten der Punktejagd. Für mich persönlich sollte die Fahrt nach Dresden das Highlight zum Wochenabschluss sein. Nach ein paar schwierigen Tagen freut man sich einfach auf den Ausflug mit Freunden, auf eine schöne Stadt und ein packendes Spiel. Den schönen Ausflug hatte ich, das steht fest.

Mit unseren Freunden von den Torkelschanzern machten wir uns auf den Weg in den Osten. Früh morgens ging es vom ASP aus los und kaum hatten wir die ersten Kilometer hinter uns, gingen auch schon die Goaßen rum. Auch die obligatorische Torkel-Brotzeit durfte nicht fehlen. Euphorisiert kamen wir schon zwei Stunden vor Spielbeginn in der sächsischen Landeshauptstadt an. Das Bier im Stadion war zwar gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig, der gute Glühwein wärmte dafür Finger und Gemüt.

Wir waren bereit für das Spiel.


Von der glühweinbefeuerten Euphorie bis zu den ersten Tränen dauerte es bei mir genau sieben Minuten. Da verwandelte unsere ehemaliger Spieler Patrick Ebert einen Foulelfmeter und brachte die SGD in Führung. Besonders bitter: Phil Neumann musste mit rot vom Platz. Warum diese Doppelbestrafung? Als Koné nur neun Minuten später zum 2:0 traf, war der Tag für mich endgültig gelaufen. Die Körpersprache, die unsere Jungs den Rest der ersten Halbzeit an den Tag legten, machte mir keine Hoffnung auf ein fulminantes Comeback. Zur Halbzeit war ich fast schon dankbar, dass Dresden - wie auch schon 1860 in der letzten Woche - unsere Verunsicherung nicht noch mehr ausnutzte und es so beim zwei Tore Rückstand zur Pause blieb. Ich muss ehrlich gestehen, von einzelnen Spielzügen oder Situationen habe ich dann nicht mehr viel mitbekommen. Das lag zum einen daran, dass mich ständig jemand tröstend in den Arm genommen hat und zum anderen, weil ich das Spiel nur noch ausdruckslos verfolgen konnte. Wie gesagt: leer.

Danke an Alle, dass wir in so einer Situation einfach ein eingeschworener Haufen und füreinander da sind. Ihr seid toll!

So kommt es dann, dass man sogar nach einer solchen spielerischen Leistung noch was positives vom Tage mitnehmen kann. Mit Fußball hat das positive Fazit aber absolut nichts zu tun.


Was gibt es also noch zu sagen? Dass wir am Samstag gegen Hamburg und anschließend in Darmstadt trotzdem wieder dabei sind, steht außer Frage, das haben wir ja schon mehrfah betont. Schließlich geht es uns nicht um einzelne Personen oder um attraktive Gegner. Was wir sehen wollen, ist den Verein, den wir lieben. Natürlich würde ich am liebsten jedes Spiel gewinnen, doch Jeder, der mich kennt, weiß wie unbedingt ich mir einen Sieg gegen den HSV wünsche. Mir ist gleich wer am Samstag auf dem Platz und wer an der Seitenlinie steht, wer die Kapitänsbinde trägt und wer auf welchem Stuhl sitzt. Mir ist egal, wer es schafft, das freudlose Spiel von gestern und die aktuelle Situation aus den Köpfen der Spieler zu verbannen. Es interessiert mich nicht, was die Medien über uns schreiben, was Leute auf Facebook kommentieren und welcher Erfolgsfan aufgrund der aktuellen Leistung seine Dauerkarte abgibt. All das spielt für mich keine Rolle. Das Einzige, das mich interessiert, ist, dass am nächsten Spieltag elf Männer auf dem Platz stehen, die für meinen Verein kämpfen, sich reinhauen, alles geben und sich nicht mit mittelmäßigen Leistungen zufrieden geben.

Weitere Bilder zum Spiel findet ihr wie immer in unserer Galerie.